Interview mit Manfred Ketterer

Ein Jubiläum, mit dem keiner gerechnet hatte


Seit einem halben Jahrhundert wird in Hornberg um die Stadtmeisterschaft im Handball gespielt. Dass 2018 das Turnier immer noch großen Anklang findet, damit hatte 1969 niemand gerechnet. Mannfred Ketterer ist einer der Gründerväter und hat noch kein einziges Turnier verpasst. Ein Interview über die Geschichte der Hornberger Handballwoche. 


Herr Ketterer, dass sie seit jeher ein leidenschaftlicher Anhänger des Handballsports sind, ist allseits bekannt. Wie kam man aber damals auf die Idee ein Turnier für Jedermann auszurichten

Ketterer: Die Idee eines Handballturniers kam aus dem Aktivenbereich und war ja an sich nichts neues. Wir sind damals auch auf verschiedene Meisterschaften gefahren. St. Georgen hatte dann 1966 als erster Ort in der Umgebung ein Turnier ins Leben gerufen und wir hatten uns gedacht: Was die können, können wir auch. 

Wieso hat es dann drei Jahre gedauert, bis 1969 die erste Stadtmeisterschaft ausgetragen wurde?

Natürlich hätten wir gerne im gleichen Jahr noch nachgezogen, zumal 1966 auch die Hornberger Sporthalle feierlich eröffnet wurde. Das größte Problem war aber die unklare Situation bei der Versicherungsfrage. Gerade bei nichtaktiven Spielern gab es zu viel Unsicherheiten. Da war unserem damaligen Abteilungsleiter Brohammer als Verantwortlicher verständlicherweise das Risiko zu hoch. 

Wie war das bei den anderen Turnieren geregelt, bei denen Sie zu Gast waren?

Da hat man teilweise in der Nacht nach der Verletzung über gute Kontakte den nichtversicherten,  verletzten Spieler nicht ganz erlaubt noch „nachversichert“. Da konnte man damals noch etwas tricksen. 

Worin lag der Knackpunkt es dann doch in Angriff zu nehmen?

Der Besuch beim Grümpelturnier in Steinen war so eine Initialzündung. Wir hatten uns bei den dortigen Veranstaltern erkundigt, was schließlich den Impuls gegeben hatte. 1969 sind wir die Sache mit Elan angegangen. 

Die Resonanz war ja schon zu Beginn sehr groß. Wie hat man es geschafft auf Anhieb 22 Mannschaften zu aktivieren?

Fairerweise muss ich zugeben, dass das damals nicht ganz so demokratisch abgelaufen ist. Zu dem Zeitpunkt war ich Trainer der Herrenmannschaft und es gab die Vorgabe, dass jeder aktive Spieler eine Mannschaft melden muss. Wer dies nicht tat, dem drohte die Bank während den Saisonspielen. Diese kleine Drohung hat dann ganz gut gewirkt. Und so haben wir bei der ersten Handbachwoche mit 22 Mannschaften von Montag bis Samstag den Stadtmeister gesucht. Montagabend bis Donnerstagabend war dabei die Vorrunde, Freitagabend die Hauptrunde und Samstag zum Abschluss die Finalspiele. 

Es gibt ein Bild von der Auslosung im ersten Jahr, der auch der damalige Bürgermeister beiwohnte. Das sah nach einer seriösen Angelegenheit aus.

Schon im ersten Jahr war viel Prestige dabei, keiner wollte da verlieren. Da ging es teilweise körperlich richtig zur Sache. Das war schwer zu unterbinden, obwohl wir damals sogar auswärtige Schiedsrichter hatten. 

Aber die meisten Spieler waren ja aus Hornberg und kannten sich dementsprechend gut. Hat es da wirklich auswärtige Schiedsrichter gebraucht?

Sicher, da waren viele Emotionen drin und das Turnier hatte einen echten Meisterschaftscharakter. Da wurden sportliche Schlachten ausgetragen. Trotz allem haben wir danach fast immer den ein oder anderen Schnaps zur Versöhnung miteinander getrunken. 

Apropos Schnaps, waren aufgrund des Ehrgeizes die Abende verhältnismäßig kurz?

Also wer die damaligen Hornberger kannte, wusste schon, dass danach noch das ein oder andere Bier über die Theke gehen würde. Meist war die Sache so gegen 2 Uhr vorüber, aber mit gutem Quantum. Die Fußballer waren oft an der Front dabei und hatten am Ende den größten Deckel. Am nächsten Morgen sind aber alle wieder ganz normal arbeiten gegangen und das ganze fünf Tage hintereinander. Da gab es dann auch den ein oder anderen amüsanten Vorfall. 

Zum Beispiel? 

In einem Jahr hatten wir einem auswärtigen Schiedsrichter für seine Leistung in der Nacht heimlich das Auto aufgemacht, den Fahrersitz herausgeschraubt und entsorgt. Stattdessen hatten wir ihm eine volle Kiste Ketterer hingestellt, auf der er heimfahren sollte. Das hat er dann auch gemacht, allerdings erst als die Kiste etwas leichter war. Das geht heute natürlich nicht mehr. 

Wie hat sich das Turnier nach den erfolgreichen Anfangsjahren weiterentwickelt?

Die ersten 10 Jahre war das Interesse ungebrochen, danach flachte es etwas ab. Im Gegensatz dazu stieg das Verlangen der Damen und Schüler nach jeweils einem eigenen Wettbewerb. Das haben wir dann 1981 zum ersten Mal versucht und es hat sich gelohnt. 20 Jahre danach gab es den nächsten großen Einschnitt mit der Entscheidung das Turnier nach draußen zu verlegen und über das Wochenende auszutragen anstatt unter der Woche. 

Inwiefern haben sich im Laufe der Zeit die Mannschaften gewandelt? 

Wie anfangs erwähnt, war da ja schon sehr viel Ehrgeiz. Der überwiegende Teil des Starterfelds setzte sich aus Vereinen, Firmen und Stammtischen zusammen. Heute sind die Namen ja etwas kreativer und auch mehr Spaßmannschaften dabei, was auch gut ist. Damals war es eher eine Meisterschaft, heute ein Event. 

Ob Meisterschaft oder Event, beides will geplant und koordiniert sein. 

Da in der Sporthalle vieles gegeben war, hielt sich der Aufwand zu heute einigermaßen noch in Grenzen. Aber natürlich mussten Auslosung, Spielplanung, Bewirtung, etc. koordiniert sein. Und allein kann man das nunmal nicht, daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch ich hatte damals viele Helfer, ohne die das Turnier nie zustande gekommen wäre. Deshalb sträube ich mich auch gegen die Aussage, das sei alles allein mein Verdienst. Jeder hat seinen Teil dazu beitragen.

Wo liegen die größten Unterschiede bei der Organisation zwischen damals und heute?

Beispielsweise die Bekanntmachung der Gruppenauslosungen und des Spielplans. Um die Plakate möglichst zeitnah drucken zu können, hatten wir im Vorfeld schon die Namen setzen müssen. Es war mit größerem Aufwand verbunden, Dinge publik zu machen. Heutzutage ist das übers Internet kein ganz so großes Problem mehr. 

Zum Schluss noch zu ihrer sportlichen Karriere bei der Handballwoche. Wie oft und bei welcher Mannschaft sind Sie an den Start gegangen? 

Die ersten 20 Jahre habe ich mitgespielt, bei Kolping und den Lehrern. Gerade gegen die Lehrer waren alle sehr motiviert, auch auf der Tribüne. Da gab es ordentlich Zunder. 

Sie haben in 49 Jahren kein Turnier verpasst, das ist herausragend. Vermutlich machen Sie dieses Jahr auch persönlich das 50. Jubiläum voll. 

Ich werde versuchen da zu sein und freue mich auf ein schönes Turnier. 

Vielen Dank für das Interview, Herr Ketterer.